Ernährung von Kaninchen

Kaninchenernährung

In der Natur ernähren sich Kaninchen fast ausschließlich von Gräsern, Kräutern und Blättern. Gelegentlich verzehren sie auch Rinde und Zweige.
Die Bakterien der Darmflora zersetzen dem Kaninchen das aufgenommene Grünfutter. Sie produzieren hauptsächlich im Blinddarm des Tieres lebenswichtige Vitamine, Aminosäuren und Proteine. Im Darmabschnitt hinter dem Blinddarm können diese lebenswichtigen Stoffe aber nicht aufgenommen werden. Deshalb frißt das Kaninchen den nahrhaften Blinddarmkot, wenn es ihn ausscheidet. So gelangen die Vitamine etc. wieder ins Tier und können in den vorderen Abschnitten des Darms aufgenommen werden.

Bei der Ernährung von Kaninchen sind zwei wichtige Dinge zu beachten. Erstens muss genug Rohfaser (in Form von Heu, Gras, Kräutern) zugeführt werden, damit die Verdauung in Gang bleibt. Kaninchen brauchen ständig Nahrungsnachschub, damit der Magen- und Darminhalt weiter geschoben wird.
Hunde- und Katzendarm hat im Vergleich zum Kaninchendarm eine stärkere Muskelschicht, die durch Bewegung (abwechselndes Zusammenziehen und Entspannen) den Nahrungsbrei vorwärts bewegt. Da die Muskelschicht des Darms beim Kaninchen sehr dünn ist, schiebt sich der Nahrungsbrei nur weiter, wenn genug Rohfaser haltiges von vorne nachgeschoben (sprich gefressen) wird. Kaninchen nehmen bis zu 80 kleine Mahlzeiten pro Tag ein.

Die zweite sehr wichtige Sache bei der Ernährung ist der ausreichende Zahnabrieb.
Da die Zähne von Kaninchen mehr als 1 cm pro Monat wachsen, müssen sie ständig aufeinander mahlen, um genügend Zahnsubstanz abzureiben.
Rohfaserhaltige Futtermittel sind nur schwer klein zu kauen. Es leuchtet wohl jedem ein, dass es länger dauert, einen Halm Gras oder Heu zu Brei zu reiben als pelletiertes Futter. Bei Fütterung von Trockenfutter verkürzt sich die Kauzeit und damit der Zahnabrieb erheblich. Sind als Folge überlange Zähne entstanden, treten Schmerzen auf und die Futteraufnahme wird verringert. Das wiederum resultiert in weiterem Zahnlängenwachstum, einer Malokklusion und oder retrogradem Wachstum.

Was darf ich also füttern?

löwenzahn

Heu sollte immer zur Verfügung stehen. Kaninchen sollen generell nie fasten.
Achten Sie auf gute Heuqualiät: Das Heu sollte von grünlicher Farbe sein, aromatisch riechen und sowohl Blattwerk als auch Stängel aufweisen.
Ein Tipp: Wenn Sie Ihre Tüte Heu fast verfüttert haben und am Boden der Tüte noch ein paar Handvoll Heukrümel übrig sind, schütteln Sie diese bitte nicht auf einmal als Portion in den Käfig. Diese Blätterkrümel werden besonders gern gefressen, quellen aber nach der Aufnahme im Magen auf und führen oft zur plötzlichen Magenüberladung. Also den Rest lieber auf ein paar Portionen verteilen!

Grünfutter (von der Wiese) kann ebenfalls reichlich gefüttert werden. Aber Vorsicht: Sind die Tiere kein Wiesengras gewöhnt, z.B. nach einem langen Winter oder bei Jungtieren, die noch kein Grünfutter bekommen haben, sollten Sie mit ein paar Blättern pro Tag anfangen und die Menge langsam täglich steigern.
Achtung: Bei Fütterung von Löwenzahn wird der Kaninchenurin rötlich bis rot.

Gemüse und Obst:
In Maßen dürfen Sie Karotten (besser noch das Karottengrün), Gurken, Fenchel, Salat, Kohlrabi, Apfel etc. zufüttern. Wichtig dabei ist, dass der Anteil an Heu und/ oder Gras den größten Teil der Futterration darstellt, das Obst/ Gemüse nur als Zugabe dient. Denken Sie daran, dass Ihr Kaninchen alle Vitamine selbst produzieren kann, es "braucht" also keineswegs Gemüse.
(Vorsicht bei Kohl: nur in geringen Mengen füttern!)

Zweige, Blätter und Rinde:
Kaninchen knabbern gerne Zweige, Blätter oder auch die Rinde von größeren Ästen.
Erlaubt sind alle Obstbäume, Haselnuß, Buche und Birke. Das Knabbern von Ästen dient besonders dem Abrieb der Schneidezähne.

Empfohlene Futterration für Kaninchen

Die Ernährung von Kaninchen sollte sich täglich aus Frischfutter, Raufutter und Ergänzungsfutter zusammensetzen.

 

  • Frischfutter (2 x tägl. gegeben, insgesamt ca 150-200g/ kg Kaninchen)

  1. strukturiertes Grünfutter - mind. 2/3 der Frischfutterration (Gräser, Kräuter Löwenzahn, Möhrengrün, Blumenkohlblätter, Radieschenblätter, Salate)
  2. Gemüse -mind.1/3 der Frischfutterration (Möhre, Kohlrabi, Brokkoli, Sellerie, Fenchel, Wirsing, Sitzkohl, Weißkohl, Wurzelpeterilie)
  3. Obst - nur in geringen Mengen (z.B. Apfel, Birne, Banane)
  • Raufutter
  1. Heu (immer zur freien Verfügung)
  2. Getrocknete Kräuter, Blüten, Blätter (nur in geringen Mengen, da stark Calcium-haltig)
  • Ergänzungsfutter
  1. Ölsaaten- max. 1 Teeöffel/ Tag/ Tier (z.B. Sonnenblumenkerne, Raps, Mariendistel, Amaranth, Anis, Chiasamen, Fenchelsamen, Hanfsamen
  2. Pellets (optional)- max. 1 Teelöffel/ Tier/ Tag (bei Außenhaltung im Winter)
  3. Nagematerial - gelegentlich (Äste von Obstbäumen, Weise, Haselnuß, Birke)

Welche Futtermittel sollten Sie meiden?

ungeeignetes Futter

1. Alle Futtermittel, die Getreide enthalten:

Vor allen Dingen getreidehaltiges Trockenfutter. Es gibt inzwischen Trockenfutter für Kaninchen und Meerschweinchen, das getreidefrei ist. Unsere Praxis führt  Versele Laga Futter (Cuni Complete). Bitte meiden Sie Mischfutter, denn Kaninchen suchen sich nur die getreide- und zuckerhaltigen Leckerlis heraus und lassen die grünen Pellets übrig. Das führt zur Fehlernährung. Aber selbst, wenn die Pellets mitgefressen werden, ist das Futter nicht geeignet.
Generell raten wir dazu, Trockenfutter mit der Zeit zu reduzieren und es, wenn möglich, ganz wegzulassen. Kaninchen, die seit Jahren an Trockenfutter gewöhnt sind, sind oft schwer umzustellen. Trotzdem lohnt sich die Umstellung, denn Ihr Kaninchen und seine Zähne sollen doch möglichst lang gesund bleiben!!
Getreidehaltig sind auch Brot, Knäckebrot, Haferflocken, Maiskolben.


2. Leckerlis mit Zucker oder Kräuter/ Pflanzen mit hohem Calciumgehalt
Zuckerhaltige Futtermittel (z.B. Joghurtdrops, Knabberstangen mit Getreide und Honig) können Diabetes induzieren (Vorsicht auch bei intensiver Karottenfütterung).
Achten Sie auf die Packungsangaben. Melasse z.B. wird zum Zusammenkleben der Pellets oft verwendet und ist stark zuckerhaltig.
Ein hoher Anteil von Luzerne im Futter (z.B. durch Fütterung von Grün-Rollies) kann zu Blasengries/ Blasensteinen führen. Ebenso die massenhafte oder einseitige Verfütterung von Kräutern (bes. getrocknete), die hohe Gehalte an Calcium aufweisen, z.B. Petersilie, Kohlrabi-Blätter, Löwenzahn).